Heimat- und Eifelverein Bornheim e.V.


Ein Blick in die Vereinsgeschichte: Wie kam es zur Gründung des Heimat- und Eifelvereins Bornheim
Von Jakob Claren

 

Es gibt mancherlei Gründe, die in Menschen die Absicht reifen lassen, einen Verein zu gründen. Immer ist jedoch das gemeinsame Interesse an einer bestimmten Sache, die gemeinsame Zielsetzung eines Zusammenschlusses also, die Basis aller Vereinsgründungen.
Ein Jubiläumsjahr wie dieses bietet eine gute Gelegenheit, einmal zurückzuschauen in jene Zeit vor 25 Jahren, als einige wenige Heimat- und naturliebende Personen sich entschlossen, den Heimat- und Eifelverein Bornheim ins Leben zu rufen.
Als einer von denen, die von Anfang an dabei waren, bin ich von unserem Vereinsvorsitzenden gebeten worden, einmal darzustellen, was uns damals bewogen hat, diesen Verein zu gründen.
Um auf dieses Thema näher einzugehen, muß ich mich einem Zeitabschnitt zuwenden, der noch vor den beiden Gründungsdaten vom 6 November 1975 und 10 März 1976 liegt. Diese Gründungsphase zu kennen ist, so meine ich, wichtig für das Selbstverständnis unseres Vereins.
Es ist sicher nicht falsch, wenn ich den Verein zum Zeitpunkt seiner Gründung mit einem Bäumchen vergleiche, welches schon ein ansehnliches Stämmchen, einige Zweige, etliche Blätter und natürlich auch Wurzeln hatte. Diesen Wurzeln möchte ich mich in diesem Aufsatz ganz besonders widmen. Von den Wurzeln, die diesem Bäumchen nämlich Halt und Wachstum zu geben vermochten, sind zwei ganz entscheidend gewesen. Es waren zwei grundverschiedene, in den siebziger Jahren in Bornheim bestehende Einrichtungen, ohne deren Einfluß es unseren Heimat- und Eifelverein Bornheim nicht geben würde.
Es waren dies - so erstaunlich das sein mag - einerseits das "Volksbildungswerk der Gemeinde Bornheim" und andererseits die "Bürgerinitiative gegen die Hangstraßenplanung". Zahlreiche Bürger aus Bornheim und Roisdorf waren in jenen Jahren gegen eine Straßenplanung engagiert tätig, die im Falle ihrer Verwirklichung sowohl zum Abriß einer Reihe von Gebäuden als auch zur Zerschneidung und Verschandelung der schönen Hanglandschaft im Bornheimer und Roisdorfer Bereich mit all ihren negativen Folgen für Mensch und Natur gerührt hätte.
Nun fand es sich, dass mehrere der dieser Bürgerinitiative verbundenen Personen zugleich auch den Kern einer Gruppe bildeten, die mehr oder weniger regelmäßig an den heimatkundlichen und naturkundlichen Veranstaltungen teilnahmen, die damals vom Volksbildungswerk angeboten wurden. Hierzu zählten gelegentliche Diavorträge sowie Wanderungen und Besichtigungsfahrten in die nähere und weitere Umgebung.
Die Erfahrungen, die dieser Personenkreis wahrend seiner Zugehörigkeit zur besagten Bürgerinitiative gemacht hatte, sagten ihm, dass es auch nach Auflösung der (übrigens erfolgreichen) Bürgerinitiative eigentlich eine Vereinigung als Dauereinrichtung geben müsse, die sich um den Schutz der Vorgebirgslandschaft, der Natur und damit auch der Menschen, die hier leben, kümmern sollte. Es sei daran erinnert dass damals auch schon die ersten Pläne für Quarzsandabbau und Mülldeponierung auf der Vorgebirgshöhe, unmittelbar über den Ortschaften Brenig, Bornheim und Roisdorf, bekannt wurden und die Bevölkerung aufschreckten, weil sie ihre beliebten Spazierbereiche in ihrer Existenz bedroht sah.
Bei unseren Exkursionen mit dem Volksbildungswerk hatten wir uns bis dahin eher recht unbesorgt über das Schöne in Natur und Landschaft gefreut, das wir sehen und erleben durften. Wir waren weit mehr Heimat- und Naturnutzer als -schützer! Nun allerdings empfanden wir unsere Heimat mit ihren Dörfern und ihrer Landschaft nicht mehr nur als schön und erlebenswert, sondern auch als gefährdet und schützenswert. Wir erkannten auch, wie wichtig es war, mehr über die Zusammenhänge in der Natur zu erfahren; versuchten also, uns "schlau zu machen", um ggf. auch mitreden zu können. Wir sahen ferner, dass es notwendig sei, in möglichst vielen Menschen Interesse für unsere Umwelt zu wecken. Waren die Wanderungen in Gottes freier Natur zu unserer Freude und Erholung sowie Besichtigungen und Informationen heimat- und naturkundlicher Art nicht Mittel und Wege dazu?
Die Veranstaltungen des Volksbildungswerkes haben uns viel Schönes und Wissenswertes vermittelt. Sie hatten jedoch den Mangel, dass solche Veranstaltungen zu selten stattfanden und dass das Volksbildungswerk mit ihnen leider nur relativ wenige Mitbürger erreichte. So waren es fast immer dieselben Leute, die an solchen Veranstaltungen teilnahmen, - in der Mehrheit nämlich unsere Gruppe. Diese allerdings war auf den Geschmack gekommen!
Von solcher Erkenntnis bzw. Sichtweise bis zu dem Gedanken, dass diese Art, Menschen in die Natur zu führen und heimat- sowie naturkundliche Bildung zu vermitteln, vermutlich viel wirksamer von einem Verein an den Mann (oder die Frau) gebracht werden könnte, war es dann nur noch ein kleiner Schritt.
Da hatten wir es also wieder: Es musste eigentlich ein Verein her! Das war ja schon einmal gesagt worden im Zusammenhang mit dem Hangstraßen - Engagement. Die Verbindung lag nun auf der Hand: Dieser Verein könnte das eine mit dem anderen m idealer Weise verbinden - und zwar im Zusammenschluß von Heimatfreunden, die auch Naturfreunde waren.
Wie aber sollte das bewerkstelligt werden? Theorie und Praxis liegen ja oft weit auseinander! An Hoffnungsäußerungen und Wunschvorstellungen mangelte es nicht, damals im Jahre 1974. Konkretes tat sich indes nicht. Nach einer Weile des weiteren Abwartens habe ich schließlich die Initiative ergriffen und mich im Spätherbst jenen Jahres zunächst einmal mit zwei Personen der erwähnten Gruppe getroffen. Es waren dies die Herren Tony Breuer und Winand Flohr, mit denen ich gemeinsam die nächsten Schritte überlegt habe, um die Vereinsgründung nunmehr ernsthaft voranzutreiben. Sie haben mir auch in der folgenden Zeit eng zur Seite gestanden. Frau Gerta Eichner geb. König, Frau Margot Hofmann geb. Kentenich, Herr Ludwig Nolden und Herr Peter Claren waren ebenfalls, sozusagen von den ersten Anfängen an im Bilde. Auch die Herren Hubert Dreesen und Willi Schlitzer signalisierten Zustimmung. Wichtig war zunächst, weitere Personen zur Mitarbeit zu bewegen, und so nahmen wir Verbindung zum damaligen Schulrektor in Brenig, Herrn Franz Kuhl, auf, von dessen Naturverbundenheit wir wußten und auch davon, dass er s.Zt. das erwähnte Volksbildungswerk mit aus der Taufe gehoben hatte. Nach einigen Gesprächen mit ihm über unsere Absichten erklärte er sich zur Mitarbeit bereit, "um dem Verein in der Gründungsphase behilflich zu sein", wie er sagte. Auch der Bornheimer Heimatforscher Herr Norbert Zerlett, war bereit, mitzumachen. Das nächste zu behandelnde Thema war die Frage, welchen Namen der Verein tragen und ob und ggf. welchem Dachverband er sich anschließen sollte, weil uns das Risiko eines allein auf sich gestellten Vereins mit einem breiten Betätigungsfeld bei unserer Unerfahrenheit in Vereinsdingen zu groß zu sein schien. Dass dieser von seiner Funktion her ein Heimatverein sein sollte, stand außer Frage. Es boten sich drei große Dachorganisationen an: Der Deutsche Heimatbund, der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz und der Eifelverein. Im laufe einer langen im Februar 1975 in einem Raum des Breniger Schulgebäudes geführten Diskussion, während der das Für und Wider einer Angliederung an diesen oder jenen Verband zur Sprache kam, zeigte es sich, dass für uns der Eifelverein mit seiner aufgegliederten Organisationsstruktur und der relativ nahen Lage seines Hauptsitzes in Düren zum Vorgebirge hin, als Dachverband die richtige Organisation sein könnte, wenn er unser vielgestaltiges Aufgabenfeld akzeptieren und auch mittragen würde. Dass sich der Eifelverein als Naturschutzorganisation verstand, war uns bekannt. Wie aber stand es mit den sonstigen vorgesehenen Vereinsaufgaben, insbesondere im Bereich der Heimatpflege? Wir wollten ja auch in der Heimatkunde und im Denkmalschutz einen Beitrag für unser heimatliches Umfeld leisten. Ohne dass dies akzeptiert wurde, hatte der Anschluß ja keinen Zweck! Der Verfasser dieser Zeilen stellte nun Herrn Knopp, dem damaligen Hauptgeschäftsführer des Eifelvereins diese Frage kurzerhand schriftlich und bekam postwendend - mit Schreiben vom 4. März 1975 - die Antwort, dass die Aufgabenbereiche heimatkundlicher und heimatgestaltender Art sogar wesentliche Bestandteile der Vereinsarbeit des Eifelvereins auf örtlicher wie überörtlicher Ebene seien.
Diese Antwort stand im Mittelpunkt unserer nächsten Zusammenkünfte. Im Frühsommer 1975 trafen wir uns (mit nun schon 10 Personen) erneut in der Breniger Schule, um hierüber sowie über den künftigen Vereinsnamen, die Satzung und Programmfragen zu beraten. Im Spätsommer schloß sich ein weiteres Treffen an.
Für die anwesenden Personen war mit der Antwort aus Düren der Bann gebrochen! Nun war es klar: Wir wollten als Heimatverein eine Ortsgruppe des Eifelvereins werden und damit einer großen Organisation in einem überschaubaren Gebiet angehören; einer Organisation mit einer rd. 100jährigen Geschichte, in welcher wir uns als sicherlich zunächst noch kleiner Verein geborgen fühlen konnten, und von deren Erfahrungen, z.B. auch im Erwandern der engeren Heimat wie auch der vor unserer Haustüre gelegenen Eifel zu profitieren hofften.
Wir gingen davon aus, dass sich unsere Mitgliedschaft als Ortsgruppe im Eifelverein auch im Vereinsnamen niederschlagen sollte, "Heimatverein Bornheim im Eifelverein" wäre zwar auch eine der gegebenen Möglichkeiten gewesen, doch schien uns eine solche Bezeichnung für einen Vereinsnamen etwas ungewöhnlich zu sein. Da auf den Namen "Heimatverein" unter keinen Umständen verzichtet werden konnte, haben wir uns schließlich - nachdem wir hierzu auch vom Hauptverein "grünes Licht" bekommen hatten - entschlossen, den zu gründenden Verein "Heimat- und Eifelverein Bornheim" zu nennen. Wie sich aus dem vorher schon Gesagten ergibt, sollte dies jedoch keineswegs bedeuten, dass es sich um einen - von der Aufgabenstellung her gesehen - zweigeteilten Verein handeln würde.
Zwischenzeitlich war schon Kontakt zu Herrn Gustav Hamacher, dem Vorsitzenden der Bezirksgruppe Köln-Mittelrhein, aufgenommen worden, der, nachdem er von unserem Plan erfahren hatte, unermüdlich drängte und sich ständig engagiert dafür interessierte, wann nun endlich es denn weiterginge mit der Gründung dieser Ortsgruppe. Er hat aber nicht nur gedrängt, sondern ist uns auch mit seinen Ratschlägen damals sehr hilfreich gewesen.
Auch der stellvertretende Vorsitzende des Eifelvereins (Gesamtverein), Herr Dr. Paul Möhrer aus Rheinbach, wurde über unsere Gründungsabsicht informiert. Er gab uns für unsere weitere Planung die Satzung der Rheinbacher Ortsgruppe als mögliche Orientierungshilfe an die Hand.
Nach einigen weiteren vorbereitenden Gesprächen im kleinen Kreis war es schließlich so weit, dass für den 6. November 1975 zur sogenannten "provisorischen" Gründungsversammlung eingeladen werden konnte. "Provisorisch" deshalb, weil zwar der Gründungsbeschluss gefaßt, die Vereinssatzung jedoch erst in einer späteren Versammlung vor möglichst großem Publikum beschlossen werden sollte. Letzteres geschah am 10. März 1976. Diese Versammlung wurde häufig als die "eigentliche" oder "offizielle" Gründungsversammlung bezeichnet, weil hierzu erstmalig die Öffentlichkeit allgemein eingeladen wurde. Auch unsere Vereinssatzung trägt dieses Datum.
Die Geschichte des Heimat- und Eifelvereins Bornheim begann jedoch am 6. November 1975 im Gästezimmer des damaligen Gasthofs Schwadorf in der Bornheimer Königstraße.
Hier trafen sich Herr Tony Breuer, Bornheim, Lenaustraße 2,
Herr Jakob Claren, Bornheim, Hohlenberg 32,
Herr Peter Claren, Bornheim, Hohlenberg 34,
Herr Hubert Dreesen, Bornheim, Lindfläche 4 A,
Frau Gerta Eichner, Bornheim, Botzdorfer Weg 15,
Herr Winand Flohr, Bornheim, Ohrbachstraße 10,
Frau Margot Hofmann, Bornheim, Uhlandstraße 9,
Herr Franz Kuhl, Brenig, Ploon 16,
Herr Ludwig Nolden, Bornheim, Mühlenstraße 26,
Herr Norbert Zerlett, Bornheim, Königstraße 46
um in Anwesenheit des Bezirksvorsitzenden Köln-Mittelrhein des Eifelvereins, Herrn Gustav Hamacher aus Köln, den entscheidenden Schritt zur Gründung des Vereins zu tun. Herr Willi Schlitzer, Bornheim, Lindfläche 4, der ebenfalls zu unserem Kreis gehörte, fehlte entschuldigt. Es wurde ein provisorischer Vorstand mit Herrn Franz Kühl als vorläufigem Vorsitzenden an der Spitze gebildet. Dieser Vorstand wurde mit der Aufgabe betraut, bis März 1976 die o.g. "offizielle" Gründungsversammlung vorzubereiten und dazu den Satzungsentwurf fertig zu stellen und einen ersten Veranstaltungskalender zu erarbeiten. Man kam ferner überein, dem Verein den Namen "Heimat- und Eifelverein Bornheim - Ortsgruppe des Eifelvereins -" zu geben und ihn nach der Verabschiedung der Satzung in das Vereinsregister beim Amtsgericht Bonn eintragen zu lassen. Es wurde weiterhin vereinbart, bis zur "offiziellen" Gründungsversammlung schon zu der einen oder anderen gemeinsamen Veranstaltung einzuladen, um noch offene Fragen zu regeln bzw. um weiteren Interessenten die Möglichkeit zu geben, in unseren Kreis einzutreten. Deshalb sollten diese Treffen stets auch mit einem heimat- oder naturkundlichen Thema besetzt sein. Einige der Gründungsmitglieder meldeten per Beitrittserklärung auch schon ihre Familienangehörigen als Vereinsmitglieder an (sog. Familienmitgliedschaft). Der Beitrag wurde auf jährlich 30 DM bei Einzelmitgliedschaft, auf 36 DM bei Familienmitgliedschaft, erstmalig ab 1.1.1976 zu entrichten, festgelegt.
Damit war die Vereinsgründung vollzogen.
Auch die Tagespresse berichtete über die Vereinsgründung. So war z.B. in der "Bonner Rundschau" vom 17.11.1975 unter der Überschrift "Eifelverein am Vorgebirge" folgendes zu lesen:
"WF Bornheim. Nun hat auch das Vorgebirge einen Heimat- und Eifelverein. Seine Gründung fand dieser Tage in der Bornheimer Gaststätte Schwadorf statt, wo sich eine Gruppe von Heimat- und Eifelfreunden getroffen hatte. Als Gast war der Vorsitzende der Bezirksgruppe Köln-Bonn des Eifelvereins, Gustav Hamacher aus Köln anwesend, der einen interessanten Einblick in die vielfältigen Aufgaben und Betätigungsmöglichkeiten vermittelte, die der Eifelverein seinen Mitgliedern und Freunden bietet.
Zum vorläufigen Vorsitzenden wählte man den Schulleiter der Grundschule Brenig, Franz Kuhl. Im März nächsten Jahres will der Verein mit einem bis dahin ausgearbeiteten Programm an die Öffentlichkeit treten. Der Abend wurde mit einem von Heimatforscher Norbert Zerlett (Bornheim) gehaltenen Diavortrag über Kunstdenkmäler am Vorgebirge beschlossen."

 

Gründungsversammlung am 6. November 1975